Jeder hat sie, jeder benutzt sie: Die Axt. Doch wie sah etwas so Profanes wie eine Axt im 13. Jahrhundert aus? Äxte waren im Mittelalter unverzichtbare Werkzeuge und Waffen, die in verschiedenen Formen und Größen hergestellt wurden. Sucht man nach Originalen, finden sich gar nicht so viele erhaltene Äxte. Hier möchte ich einen Überblick über die mir bekannten Funde und Abbildungen aus dem 13. Jahrhundert, vorwiegend aus Deutschland und anderen europäischen Ländern, geben. Ich beschränke mich dabei im ersten Schritt auf Werkzeugäxte. Für Äxte im militärischen Kontext folgt ein separater Artikel.

Zusammenfassung

Die Funde: Die hier vorgestellten Axtköpfe stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Heidelberg, Groitzsch, Wartenberg, York und Schleswig. Sie zeigen typische Merkmale wie kurze Hälse, schräg verlaufende Blätter oder eingeschweißte Stahlschneiden. Besonders spannend sind Funde wie die kleine Hammeraxt aus Schleswig, die vermutlich für feine Arbeiten an Geweih oder Knochen genutzt wurde.

Die Abbildungen: Zeitgenössische Darstellungen aus Handschriften, Glasfenstern und Psaltern veranschaulichen, wie Äxte im Alltag eingesetzt wurden. Dabei lassen sich zwei Hauptformen erkennen:

  • Die Zimmermannsaxt mit stark abgesetztem Blatt, ideal zum Behauen von Balken.
  • Die Universal- oder Werkzeugaxt mit kurzem Hals, die für Schlachtungen, Holzarbeiten oder das Fällen von Bäumen genutzt wurde. Während die Funde Einblicke in die handwerkliche Herstellung geben, zeigen die Abbildungen, wie vielseitig Äxte im mittelalterlichen Leben eingesetzt wurden.

Die Funde

Heiligenberg bei Heidelberg

Das älteste Exemplar, aus Heidelberg, zeichnet sich durch einen nur mäßig ausgeprägten Schafthals aus, welcher zum Blatt hin schräg verläuft. Eine solche Formgebung zeigen Geräte, die dem Hoch- und beginnenden Spätmittelalter zugeschrieben werden. Genannt seien hier Beispiele aus schweizerischen Burgen sowie ein Stück aus Oberwittelsbach das spätestens 1208, im Jahr der Zerstörung der Wittelsbacher Stammburg, entstanden sein muss (Gross, S. 447).

Axtkopf vom Nordosthang am Heiligenberg bei Heidelberg (Gross, Taf. 67.1)

Jünger ist ein Fund vom Westhang mit einer Schaftröhre von ca. 7cm Länge. Sie ähnelt zwei Exemplaren von der Burg Wartenberg die vor 1265 datiert werden. Aufgrund der Schlagmarke wird dieser Axtkopf jedoch ins Spätmittelalter datiert (Gross, S. 447).

Axtkopf vom Westhang am Heiligenberg bei Heidelberg (Gross, Taf. 67.2)

Groitzsch

Ein Axtkopf aus Groitzsch im heutigen Sachsen weist eine eingeschweiste Stahlschneide auf und wird zwischen 1224 bis Ende 13. Jahrhundert datiert (Krauskopf, Taf. 22 Bild 11).

Fund eines Axtkopf in Groitzsch im heutigen Sachsen. Datiert 1224 - Ende 13. Jahrhundert (Krauskopf, Tafel 22 Bild 11)

Burg Wartenberg

Zwei stark korrodierte Axtköpfe von der Burg Wartenberg in Oberhessen, datiert auf vor 1265 (Krauskopf S.185).

Fund von zwei Axtköpfen aus Wartenberg (Oberhessen), datiert vor 1265 (Krauskopf, Tafel 23 Bild 8 u. 9)

Wulp

Klinge eines kleinen Beils. 237,5g. geschwungene Schneide. Kein Schaftloch erhalten. Im Nacken Ansatz eines Griffs oder einer Griffangel. Datiert 11. - 13. Jahrhundert.

Klinge eines kleinen Beils aus Wulp. Datiert 11. - 13. Jahrhundert (Krauskopf, Tafel 23 Bild 12)

Dahme

Axt die unter einem hölzernen Straßenbelag in Dahme/Mark gefunden wurde. Das Holz des Straßenbelags ist dendrochronologisch auf 1246 datiert. Aus dieser Zeit wird wohl auch die Axt stammen (Tegge).

Fund einer Axt aus Dahme/Mark. Wahrscheinlich 1246 (Tegge)

Schleswig

Besonders Interessant (wenn auch nicht ins 13. Jahrhundert datiert) ist eine 11,5cm hohe und nur 5,5cm breite Hammeraxt aus Schleswig, datiert in das 12. Jahrhundert. Wahrscheinlich steht diese Axt mit reich verzierten Hammeräxten einer osteuropäischen Gruppe in Verbindung. Diese waren auch im östlichen Skandinavien verbreitet. Aufgrund der gerignen Größe wurded sie vermutlich beim bearbeiten von Geweih und Knochen für Kämme oder ähnliche Kleinteile verwendet (Saggau, S.69).

fund einer kleinen Axt aus Schleswig aus dem 12. Jhd. (Saggau, Abb. 46.5)

Ein Objekt aus dem 13. Jahrundert zeigt vermutlich eine Axt die als Waffe benutzt wurde. Sie weist kurze Schaftlappen und eine breit ausgezogene Klinge auf (Saggau, S. 69).

Axtblatt aus Schleswig, datiert ins 13. Jahrhundert (Saggau, Abb. 46.6)

York

Folgendes Axtblatt wurde bei Ausgrabungen in der Midland Bank in York gefunden. Es entspricht dem Typ 1 in Goodalls Klasifizierung. Aufgrund der geraden Kante (rechte Seite) wurde die Axt vermutlich zum behauen/begradigen von Balken oder Brettern verwendet.

Axtblatt von der Midland Bank in York, datiert ins 12. Jahrhundert (Tweddle, Fig. 90.961)

Metallurgische Untersuchungen zeigen, dass der Axtkörper aus mehreren Schmiedeeisen-Schichten besteht, während die Schneidkante aus einen eingeschweißten, kohlenstoffreicheren und gehärtetem Stahl bestand. Der Stahl des Axtkörpers wurde vermutlich aus oberflächengehärteten, gestapelten und verschweißten Schmiedeeisen-Platten hergestellt.

Abbildungen

Im folgenden habe ich einige Darstellungen von Äxten aus verschiedenen Bilderhandschriften, Codex, Psalter, etc. aus dem 13. Jahrhundert zusammen gefasst. Bei allen dargestellten Äxten zeigt sich zwei vorwiegend genutzte Formen

  • Zimmermannsaxt mit abgesetztem Blatt Eine Axt mit stark abgesetztem Blatt und deutlich ausgeprägtem Schafthals, die vor allem von Zimmerleuten zum Behauen von Balken und Brettern verwendet wurde. Obwohl dieser Typus in historischen Darstellungen häufig vorkommt, habe ich keine Funde von Originalen finden können
  • Universal- oder Werkzeugaxt mit kurzem Hals Äxte mit kurzem Hals und einem nach unten stark abgesetzten oder schräg verlaufenden Blatt. Dieser Typus ähnelt den archäologischen Funden vom Heiligenberg bei Heidelberg, aus Groitzsch, von der Burg Wartenberg, aus York, Wulp sowie dem Fund aus Dahme/Mark. Die Darstellungen zeigen diese Äxte vor allem bei der Schlachtung von Tieren sowie bei allgemeinen Holzarbeiten wie dem Stutzen oder Fällen von Bäumen.

MS M.638 Kreuzfahrerbibel Frankreich, datiert ca. 1240

Darstellung eines Zimmermanns beim behauen eines Holzbrettes mit einer breiten Axt. Daneben liegt auf dem Boden eine weitere Axt. Kreuzfahrerbibel, datiert auf 1240

Darstellung eines mannes beim Schlachten eines Schweines mit einer Axt. Kreuzfahrerbibel, datiert auf 1240

Martyrologe-Obituaire de Saint-Germain-des-Prés, 1250 - 1290

Man bei der Schlachtung eines Schweines mit der Axt aus der "Martyrologe-Obituaire de Saint-Germain-des-Prés" aus Frankreich, datiert auf 1250 - 1290

Psalterium non feriatum - HB II 24. 1211 bis 1213

Man bei der Schlachtung eines Schweines mit der Axt aus der "Psalterium non feriatum - HB II 24", datiert auf 1211 bis 1213

Man bei der Forstarbeit aus "Psalterium non feriatum - HB II 24", datiert auf 1211 bis 1213

Annales - Cod.hist.fol.415 aus Zwiefalten, um 1162

Man mit Axt und Feuer- oder Bauholz auf der Schulter aus dem "Annales - Cod.hist.fol.415" aus Zwiefalten, datiert auf um 1162

MS M.739 Stundebuch Bamberg, datiert 1204 bis 1219

Darstellung eines Zimmerman mit einer breiten Axt beim behauen eines Holzbrettes. Aus dem MS M.739 Stundenbuch aus Bamberg, datiert auf 1204 - 1219.

MS M.711 Hainricus Misal aus Weingarten, datiert 1220 bis 1230

Darstellung eines Waldarbeiters beim Stutzen von Bäumen mit einer Axt. Miniatur für den Monat Februar aus dem MS M.711 Hainricus Misal, Weingarten, datiert auf 1220–1230.

Darstellung eines Mannes beim schlachten eines Schweines. Miniatur für den Monat November aus dem MS M.711 Hainricus Misal, Weingarten, datiert auf 1220–1230.

Glasfenster aus der Kathedrale von Chartres, datiert zwischen 1205 bis 1240

Darstellung von Zimmerleuten beim behauen eines Baumstammes. Auf einem Glasfenster in der Kathedrale von Chartres, Frankreich. Datiert auf 1205 - 1240.

Darstellung eines Wagners beim bearbeiten eines Wagenrades. Auf einem Glasfenster in der Kathedrale von Chartres, Frankreich. Datiert auf 1205 - 1240.

Quellen

  • Gross, Uwe (2012). Die mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik-, Metall und Beinfunde. In: Marzolff, Peter; Klein, Frieder und Uwe Gross: Forschungen zum Heiligenberg bei Heidelberg : Forschungsgeschichte, Fundmaterial, Restaurierung (Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg ; Bd. 32), Stuttgart 2012
  • Krauskopf, Christof (2005). Tric-trac, Trense, Treichel. Untersuchungen zur Sachkultur des Adels im 13. und 14. Jahrhundert. Deutsche Burgenvereinigung e.V.
  • Tegge, Sebastian und Bräunig, René (2018): Warenverkehr auf mittelalterlichen Straßen in der Stadt Dahme/Mark. In: Archäologie in Berlin und Brandenburg. 2016
  • Saggau, Hilke Elisabeth (2000). Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971 - 1975, Neumünster, Wachholtz Verlag
  • Tweddle, Dominic (1986). finds from Parliament Street and Other Sites in the City Center. In: The Archaeology of York. The Small Finds 17/4. York Archaeological Trust for Excavation and Research