Auch bei uns will der Nachwuchs so langsam mitmachen, und daher stehen für die Bekleidung auch passende Schuhe an. Außerdem interessierte mich die Frage wie lange die Herstellung von solchen Kinderschuhen, im Vergleich zu Erwachsenenschuhen, dauert.

Geplannt war ein einfaches Modell Typ “Lübeck” (Volken, Marquita 2014, S. 507), dass sich in dieser Art von der mitte des 12. Jahrhundert bis ins 15. Jhd. hinein findet. Dabei handelt es sich um einen einfachen Über-Knöchelhohen Schuh mit einfacher umlaufenden Schnürrverschluss. Man findet diesen Typ überall in Mitteleuropa, bspw. in Schleswig (Schnack 1992), Lübeck, Konstanz (Schnack 1994), Svendborg (Groenman 1988) oder Dordrecht (Goubitz und van Driel-Murray und Groenman-van Waateringe).

Skizze eines einfachen Über-Knöchelhoher Schuh mit umlaufenden Schnürrverschluss

Zur Befestigung des Schnürriemens gibt es in den Funden 3 Varianten

  1. Zwei Paare von paarweise angeordneten Schlitzen die sich seitlich auf Höhe des Knöchels befinden
  2. Kurze Bänder die durch 2 paarweise angeordnete horizontale Schlitze gezogen wurden und Schlaufen bilden durch die der Schnürriemen gefädelt wurde (Goubitz und van Driel-Murray und Groenman-van Waateringe, S. 140 Abb. 11]).
  3. Gar keine Schlitze. Der Schnürriemen wurde hierbei lose um das Bein gewickelt und dann verknotet

Um nicht ständig die Schnürrung zu verlieren und neu zu machen habe ich mich für Variante 1. entschieden.

Das Oberleder ist immer einteilig zugeschnitten und hat oftmals einen quadratisch zugeschnitten Einsatz auf der medialen Seite um auf die nötige Höhe zu kommen. Die Öffnung befindet sich vorne über dem Schienbein, wobei sich die beiden Seiten nur geringfügig oder gar nicht überlappen. Die Oberkante ist entweder gerade, oder vorne hin spitz hochgezogen. Es finden sich nur selten Fersenverstärkungen, was wohl an der vornehmlichen Verwendung als Kinderschuh liegt.

Bei dieser Variante wurde als Oberleder naturfarbenes Ziegenleder und für die Sohle ca. 2,5mm starkes Rindsleder verwendet. Die Fersenverstärkung ist aus Schafsleder, da ich nicht abschätzen konnte ob Rindsleder vl. zu Steif ist und die Ferse sich dann nicht ordentlich Formen lässt.

Und so sieht letztendlich das Ergebniss aus. Die Größe entspricht ungefähr der europäischen Größe 26.

Fertiges paar Kinderschuhe aus naturfarbenem Ziegenleder

Fertiges paar Kinderschuhe aus naturfarbenem Ziegenleder

Fertiges paar Kinderschuhe aus naturfarbenem Ziegenleder

Fertiges paar Kinderschuhe aus naturfarbenem Ziegenleder

Wenn man die Schuhe nur so auf dem Bild sieht könnte man sie für etwas klobigge Erwachsenen-Schuhe halten. Im Vergleich zu einem Schuh Größe 42 sieht man erst wie klein sie doch sind.

Größenvergleich der Kinderschuhe zu Halbstiefeln für Erwachsene Größe 42

Größenvergleich der Kinderschuhe zu Halbstiefeln für Erwachsene Größe 42

Leider war der geplannte Träger schneller rausgewachsen als mir lieb war, daher habe ich dieses paar an andere Eltern mit Nachwuchs weitergegeben und hoffe das die Schuhe lange ihren Dienst tun werden.

Quellen

  • Goubitz, Olaf; van Driel-Murray, Carol; Groenman-van Waateringe, Willy (2001): Stepping through time. Archaeological footwear from prehistoric times until 1800. Zwolle: Stichting Promotie Archeologie.
  • Groenman-van Waateringe, Willy (1988): Leather from medieval Svendborg. Odense: University Press (The Archaeology of Svendborg, Denmark, 5).
  • Schnack, Christiane (1992): Die mittelalterliche Schuhe aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971-1975. Neumünster: Wachholtz (Ausgrabungen in Schleswig, 10).
  • Schnack, Christiane (1994): Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz. Grabung Fischmarkt. Stuttgart: Theiss (Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg, 26).
  • Volken, Marquita (2014): Archaeological footwear. Development of shoe patterns and styles from prehistory till the 1600’s. Univ., Lausanne–Zwolle, 2012. Zwolle: Stichting Promotie Archeologie.
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