Allgemein
Münzen wurden vermutlich vorwiegend für den Marktverkehr benutzt. Für größere Zahlungen, oder Zahlungen die über große Entfernungen zu tätigen waren, wurde wohl nicht in Pfennigen abgerechnet, sondern in Silber nach Gewicht (Heß, S.21). Beispielsweise mit solchen runden Barren wie sie in der Propstei Tom Roden des Kloster Corvey auf dem Gebiet der heutigen Stadt Höxter gefunden wurden.
Silberbarren aus der Propstei Tom Roden des Kloster Corvey bei Höxter die vermutlich als Zahlungsmittel benutzt wurden. Silbergehalt >95% und einem Gewicht von 272g bis 408g. Datiert auf mitte des 13.ten Jahrhunderts (Krabath 2001, Taf. 149).
Eine sehr häufig verwendete Gewichtseinheit war die Mark, bspw. die Kölner Mark, mit einem Gewicht von 234g, aus der 160 Kölner Pfennige geschlagen wurden(Nau, Seite 93). Damit hatte der Kölner Pfennig ein Gewicht von 1,461g. Früher gab es noch das Karlspfund das in 240 Pfennige geschlagen wurde. Die Kölner Mark war über Jahrhunderte hinweg in ihrem Gewicht und Reinheitsgrad/Feingehalt stabil und zur Zeit der Salier und Staufer sehr weit verbreitet (Nau 1977, Seite 93) bevor sie von anderen Währungen (bspw. dem Heller) verdrängt wurde. Als Gewichtsangabe für größere Zahlungen blieb sie aber länger erhalten (Heß, S.22) bevor sie von Gold und Groschenmünzen ersetzt wurde.
In der Kreuzzugssteuer von 1275/76, dem Liber Decimationis wurden alle Pfennige wie folgt zum Kölner verrechnet.
Für 3:2 zählen die pfundigen Pfennige wie bspw.:
- Mainzer
- Wormser
- Speyrer
- Straßburger
- Würzburger
- Halberstädter
- Magdeburger
- Nürnberger
- Regensburger
- Wiener
mit ca. 0,974g Gewicht. Aus einer Mark werden 240 Pfennige geprägt.
Für 2:1 zählen bspw.:
- Trierer
- Augsburger
- Tübinger
mit einem Gewicht von ca. 0,73g.
Für 3:1 zählen bspw.:
- Rottweiler
- Breisgauer
- Haller
- Konstanzer
mit einem Gewicht von ca. 0,487g.
Auch aufgrund der sehr hohen Menge an gepregten Münzen hatte der Kölner Pfennig einen wichtigen Stand. Der jährlichr Münzausstoss der Kölner Münzstätte wird 1174 auf 13333 Mark Silber pro Jahr geschätzt. Zum Vergleich:
- 1182 der Erzbischof Wichmann von Magdeburg 236 Mark Silber
- 1226 der Erzbischof von Trier für seine Münzstätte 36 1/2 Mark Silber
- 1222 der Bischof von Würzburg 133 1/3 Mark Silber
- 1273 die Merseburger Münze durch Bischof Friedrich 100 Mark Silber
Alle Mengenangaben entstanden durch Überlassungen von Pacht und die Silbermenge wurde als Pachtsumme angegeben (Nau, Seite 92).
Zum Vergleich für den Wert des Silbers: Friedrich Barbarossa hat das Pleißner Land um Altenburg mit den Burggrafschaften Leisnig, Colditz mit Ministerialen und 20 Höfen, das Kastell Lausigk mit Markt und Einkünften, den Hof Schkölen, die Burg Gleißberg, den Jenzigberg bei Jena, Schloß Mohrungen und einen Güterkomplex um 500 Mark Silber gekauft. 1243 erwarb Kaiser Friedrich II von Graf Hartmann von Grüningen die Grafschaft Allgäu mit der Burg Eglofs um 3200 Mark Silber. Die Stadt Frankfurt a.M. zahlte bspw. 1241 280 Mark Silber Steuer im Jahr (Nau, Seite 93).
Münzverrufung
Bei der Münzverrufung wurden die bisherigen Münzen durch den Münzherren für ungültig erklärt und durch neue Münzen ersetzt. Dies ging in der Regel mit einer Wechselgebühr einher. Sie wurde aber nicht einheitlich, sondern in den unterschiedlichen Gebieten ganz unterschiedlich und verschieden häufig praktiziert. Sehr häufig waren jährliche Münzverrufungen wie bspw. in Erfurt, Kölleda, Halle, Freiberg in Sachsen, Hildesheim und Merseburg (teilweise sogar zu festen Tagen im Jahr). Dies wurde vor allen Dingen in Gebieten mit leichten Pfennigen praktiziert Heß
In anderen Gebieten fand eine Münzverrufung nur sehr selten statt, wodurch sie in ihrem Wert sehr stabil blieben. Dies machte sie für den Handel besonders Interessant. Für Köln wurde eine Münzverrufung bspw. nur bei zwei Gelgenheiten durchgeführt:
- bei Amtsantritt eines neuen Erzbischofes
- zur Reichsheerfahrt nach Italien zur Kaiserkrönung Andernorts konnte eine Münzverrufung viel häufiger stattfinden. Bspw. jedes halbe Jahr in Magdeburg unter Erzbischof Wichmann (1152 - 1192) (Nau, Seite 95).
Dies änderte sich mit der Ausbreitung überregionaler Münzen wie bspw. dem seit 1190 geprägten Heller aus Schwäbisch Hall (Heß, S.15). Um die Ausbreitung des Hellers einzudämmen ergriffen Münzherren Maßnahmen. Die kurzen Abstände zwischen den Münzverrufungen wurden ganz oder zeitweise eingestellt und später durch eine feste Abgabe an den Münzherren (oft trotzdem noch “Schlagschatz” genannt) abgelöst(Heß, S.15).
Bei anderen Pfennigen kam es nie zu solchen Münzverrufungen, auch wenn bei vielen Münzen in ihrer Umgebung dies gang und Gäbe war. Darunter fallen z.B. der Tübinger und der Rottweiler Pfennig (Heß, S.16).
Nutzungsbereich der Münzen
Im Gebiet eines Marktes, dass oftmals die ganze umlegende Stadt mit einbezog (Heß, S.16), durfte nur mit bestimmten Münzen gehandelt werden. Dies wurde so von Heinrich VII 1231 in einem Fürstenspruch festgelegt.
quod in civitatibus et aliis locis, ubi propria et iusta moneta esse conswevit, nemo mercatum aliquod facere debeat cum argento set cum denariis proprie sue monete
Übersetzt: “In Städten und anderen Orten, wo eine ordnungsgemäße und gerechte Währung üblich ist, sollte niemand seine Geschäfte mit Silber abwickeln, sondern nur mit Denaren, der ordnungsgemäßen Währung.”
Andere Münzen mussten umgetauscht werden. Der Münzwechsel durfte nur durch vom Münzherren bestellte Münzer erfolgen (Nau, Seite 93).
Recht Münzen zu prägen
Das Recht Münzen zu prägen war ein Königliches Regal (Siehe Sachsenspiegel und Schwabenspiegel, Landrecht Kap. 364). Dieses Regal wurde vergeben an Erzbischöfe, Bischöfe, Klöster, Herzöge, Grafen und seid 1216 erstmals auch an Städte (Annweiler in der Pfalz durch Kaiser Friedrich II).
Zwischen 1197 bis 1260 gab es 414 Münzstätten im regnum teutonicum (also für den Teil des heiligen römischen Reichs nördlich der Alpen). Als Städte nur Annweiler, Bern, Lübeck, Mühlhausen und Oppenheim. Weit mehr als die Hälfte (277 Stück) sind weltliche Dynastien (Nau, Seite 89).
Die meisten Münzprägestetten und deren Münzen die im 13. Jahrhundert entstanden, sind jedoch nicht so weit verbreitet. Es gibt einige Ausnahmen wie der Kölner, Würzburger, Straßburger, Augsburger, Regensburger und Magdeburger Pfennig. Eine besondere Ausnahme ist der Pfennig aus Schwäbisch Hall. Dieser war im späten 13. Jahrhundert der dominierende Pfennig in Süddeutschland und löste den Kölner Pfennig als dominierende Währung ab.
Quellen
- Krabath, Stefan (2001). Die hoch- und spätmittelalterlichen Buntmetallfunde nördlich der Alpen - Eine archäologisch-kunsthistorische Untersuchung zu ihrer Herstellungstechnik, funktionalen und zeiltichen Bestimmung. Verlag Marie Leidorf GmbH. Rahden/Westfalen
- Haussherr, Reiner (1977): Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung, Band I, Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum
- Heß, Wolfgang (2004): Münzverrufungen der späten Pfennigzeit, besonders in den Brakteatengebieten Mittel- und Südwestdeutschlands. In: Dirham und Rappenpfennig 2. Mittelalterliche Münzprägung in Südwestdeutschland. S. 11 - 22, Bonn, Dr. Rudolf Habelt GmbH
- Matzke, Michael (2004): Mittelalterliche Bergbauprägungen in Südwestdeutschland? Numismatische und archäometallurgische Untersuchungen an Breisgauer, Tübinger und Wormser Pfennigen. In: Dirham und Rappenpfennig 2. Mittelalterliche Münzprägung in Südwestdeutschland. S. 43 - 173, Bonn, Dr. Rudolf Habelt GmbH
- Nau, Elisabeth (1977): Münzen und Geld in der Stauferzeit, in: Die Zeit der Staufer. Geschichte - Kunst - Kultur. Katalog der Ausstellung, Band III, Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum
