Lange lange habe ich nichts neues geschrieben. Aber immerhin war ich Produktiv was die Herstellung von Schuhen anging. Einige Exemplare haben die letzten Monate meine Werkstatt verlassen und diese möchte einmal kurz hier vorstellen.

Knöchelhohe Schuhe aus Rindsleder

Hier ein paar etwa knöchelhohen Schuhen mit Schnürrverschluss. Einer der am häufigsten gefunden Exemplare für das 13. Jhd., der auch noch weit davor und danach getragen wurde 1. Bei den hohen Varianten reicht der Schaft etwa bis zur Mitte der Wade und wird mittels eines einzelnen, zwei oder mehr umlaufenden Schnürriemen verschlossen. Die Schnürriemen werden durch paarweise angeordnete vertikale Schlitze im Schaft gezogen und an der Seite verknotet. Die Schlitze sind in Reihen an der linken und rechten Seite und gelegentlich vorne über dem Schienbein angeordnet. Dieses Paar ist aus vegetabil gegerbten Rindsleder.

Schlupfschuh nach Fund aus Konstanz

Hier ein Schlupfschuh nach einem Fund aus Konstanz 2. Die Schuhe sind komplett aus vegetabil gegerbten Rindsleder gefertigt. Die Schaftrandeinfassung ist aus demselben Leder wie der Schaft und wurde auf die passende Stärke herunter geschabt. Dies ist einer der sehr wenigen Schuhtypen die komplett ohne Schnürung oder sonstige Befestigung auskommen. Es gibt zwar einzelne Exemplare die paarweise Schlitze für eine Schnürrung haben, aber die meisten erhaltenen Fragmente zeigen keine Anzeichen für eine Befestigung. Funde gibt es in Freiburg, Konstanz, Lund(SE), Maastricht (NL), Hallwyll (CH), Braunschweig, Kolberg (PL) und Chillon Castle (CH). Die meisten Funde sind auf 1400-1450 datiert, aber zwei Exemplare werden in der Literatur auf um 1300 datiert (Lund und Maastricht).

Geschlossener Stiefel nach einem erhaltenen Original aus Ziegen- und Rindsleder

Hier mal ein hoher komplett geschlossener Stiefel wie man ihn ab dem 1 Viertel des 13. Jahrhundert findet. Diese Schuhe werden komplett ohne weitere Verschlüsse getragen und müssen alleine durch eine gute Passform am Bein halten.

Bei diesem Exemplar wurde sich was Schnitt, Material und Verarbeitung angeht an einem erhaltenen Original angelehnt. Wie beim Original ist der Schaft aus vegetabil gegerbten Ziegenleder und der Vorderfuß aus vegetabil gegerbten Rindsleder. Zusätzlich wurde eine Fersenverstärkung eingenäht.

In der vorliegenden Beschreibung wird noch von einer Brandsohle gesprochen. Damit war wahrscheinlich eine zweite Innensohle gemeint wie man sie an manchen Funden bspw. in Schleswig 3 findet. Dies wurde bei diesem Exemplar nicht umgesetzt. Stattdessen wurde im Bereich der Ferse eine weitere Sohle außen aufgenäht. Solche Flicken findet man bei fast allen größeren Funden. In den Funden vom Altenberg 4 findet man solche Verstärkungen auch an noch neuen Sohlen, wo sie wahrscheinlich als zusätzliche Verstörkung/Schutz für die Minenarbeiter dienten.

Da diese Stiefel zum Reiten und für Stallarbeiten gedacht sind wurden sie insgesamt 8 mal gefettet bis das Leder nichts mehr aufnimmt. Im aktuellen Zustand kann man sie unter fließendes Wasser halten ohne dass das Leder Wasser aufnimmt. Kritischer ist der Bereich der Nähte. Hier hoffe ich dass der spezielle Kantenzuschnitt hilft die Nähte dicht genug zu gestalten. Ich bin auf die Erfahrungen des Besitzers gespannt.

Spätmittelalteriche Schuhe nach einem Fund von der Burg Werdenberg in der Schweiz

Dieses Paar wurde an einen Fund aus der Burg Werdenberg (Schweiz, Kanton St. gallen) angelehnt. Das Original wurde vor ein paar Jahren in der dortigen Burgküche gefunden und ist auf ca. 1500 datiert. Der Werdenberger Fund entspricht dem Typ “Mühlberg” aus 1 und findet sich ab ca. 1480 bis ca. 1525. 3 weitere Exemplare dieses Typs finden sich am Namensgebenden Mühlberg bei Kempten 5 und Konstanz 6.

Im Original war der hintere obere Teil des Schaftes aus einem andersfarbigen Leder (selbe Art wie die Zunge). Man hat sich aber für eine etwas einfachere Variante, wie beim Fund aus Konstanz, entschieden.

Dieses Paar ist für Ehrenamtlich tätige “Schwägering der Gräfin” gedacht. Darstellungszeitraum ist 1480.

Oberleder ist rotbraunes vegetabil gegerbtes Rindsleder. Die Zunge, Schaftrandeinfassung und die Schnürriemen sind aus vegetabil gegerbten Ziegenleder. Die Zunge ist an der Innenseite an das Oberleder per Heftnaht angebracht. Fersenverstärkung ist obligatorisch. Die Zehenpartie ist rund und etwas breiter gestaltet.

Schnallenschuh nach einem Fund aus Schleswig

Ein niedriger Schuh Typ Schlei mit einem Schnallenverschluss aus Messing. Im Gebrauch von 2. Viertel 13. Jhd. bis zum 1. Viertel 14. Jhd. Das Oberleder ist aus Rind mit einer Schaftrandeinfassung aus Ziegenleder. Als Vorlage diente ein Fund aus Schleswig datiert auf nach 1280.

Auf dem Bild sieht man noch die Leisten die ich aus zwei zusammengeklebten Stücken Holzresten geschnitzt habe. Beim rechten Exemplar ist das Holz während dem Schnitzen etwas ausgebrochen und der Leisten musste mit etwas aufgeklebtem Leder aufgestockt werden.

Alle Schuhe finden sich auch in meiner Gallerie.


  1. Volken, Marquita (2014). Archaeological footwear: development of shoe patterns and styles from Prehistory till the 1600’s. Zwolle: SPA Uitgevers [return]
  2. Schnack, Christiane (1994): Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz. Grabung Fischmarkt. Stuttgart: Theiss (Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg, 26). [return]
  3. Schnack, Christiane (1992): Die Mittelalterlichen Schuhe Aus Schleswig: Ausgrabung Schild 1971-1975. Neumünster: Karl Wachholtz [return]
  4. Dahm, Claus; Lobbedey, Uwe; Weisgerber, Gerd (1998): Der Altenberg: Bergwerk und Siedlung aus dem 13. Jahrhundert im Siegerland. 1: Die Befunde. Bonn: Habelt (Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, 34). [return]
  5. Atzbach, Raine (2005): Leder und Pelz am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit: die Funde aus den Gebäudehohlräumen des Mühlberg-Ensemble in Kempten (Allgäu). Bonn: Habelt. [return]
  6. Volken, Marquita (2010): Sondierung diverser Konstanzer Lederfunde. Investigation. Gentle Craft Files. Lausanne: Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Aussenstelle Konstanz [return]
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