Was braucht man an Werkzeug zur Münzherstellung? Für das 13.te Jahrhundert sind mir keine Belege bekannt die die genaue Ausstattung einer Münzwerkstatt wiedergeben. Für das 15.te Jahrhundert finden wir wiederum folgende Abbildung aus der Spiezer Chronik.
Abbildung einer Münzwerkstatt. Quelle: Diebold Schilling, Spiezer Chronik, Mss.h.h.I.16, Bern 1484/85, Folio 222. Link: https://www.e-codices.ch/de/searchresult/list/one/bbb/Mss-hh-I0016
- Prägestempel
- Hammer
- Schlagunterlagen
- Blechschere
- Schmelzofen mit Blasebälgen
- große Kästen (vermutlich aus Holz)
- Eimer mit Wasser(?)
- Säcke und Schalen für Münzrohlinge und fertige Münzen
Links sehen wir einen Handwerker, der gegossene Silberschmelze in dünne Streifen (sogenannte Zaine) hämmert. Diese Streifen werden später zu den Münzrohlingen (auch Schrötlingen genannt) geschnitten oder gestanzt. Als Unterlage verwendet er vermutlich (aufgrund der dargestellten Maserung?) ein rechteckiges Stück Hartholz.
In der Mitte ist ein Handwerker der, mittels Prägestempel und Hammer, aus den Münzrohlingen die fertigen Münzen prägt. Der untere Prägestempel steckt in einem Runden Werkstück, vermutlich einen Holzpflock zum halten/fixieren des Prägestempel. Die obere Hälfte des Prägestempels wird per Hand gehalten.
Rechts im Bild sieht man eine weitere Person die einer Gruppe von Personen (vermutlich die Münzherren/Münzmeister) fertig geprägte Münzen zeigt. Zu seinen Füßen befindet sich zwei Kisten. In diesen liegen, jeweils zweireihig, aufgereihte Münzen, die wahrscheinlich nach dem Zuschneiden mit einem Hammer gerundet wurden. Zusätzlich liegen dort noch zwei weitere Prägestempel und ebenfalls eine Unterlage für das Formen der Rohlinge.
Über den Münzen liegt eine Schere, vermutlich eine Blechschere, mit der aus den Zainen grob die Münzrohlinge ausgeschnitten wurden.
Prägestempel
Es gibt nicht viele erhaltene Münzprägestempel, aber bei den erhaltenen zeichnet sich folgende gemeinsame Form ab:
Die Stempel haben eine zweiteilige Ausführung. Der untere Teil des Stempels hat einen Dorn, der vermutlich in einen Holzpflock gesteckt wird. In der Mitte des Stempels ist eine verdickte Partie (eine Art “Spur”), um zu verhindern, dass der Stempel sich allzu tief in den Holzpflock eindrückt.
Das obere Teil des Stempels ist zylindrisch geformt und zeigt durch das Hämmern oft Spuren von Aufplatzungen.
Auf den Stirnseiten der Stempel (sowohl Unter- als auch Oberseite) ist durch Gravur das eigentliche Prägebild Spiegelverkehrt eingraviert.
Blechschere
Auf dem Bild der Münzwerkstatt ist eine Blechschere über den Münzen zu sehen. Diese scheint dazu verwendet worden zu sein, aus den Zainen Silberrohlinge zu schneiden. Die Form dieser Art von Blechscheren hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert, wie zwei Fundbeispiele (einer mittelalterlich und einer römisch) zeigen.
Der erste Fund ist eine hälfte einer Blechschere, der bei Ausgrabungen auf der 1309 zerstörten Burg Altbüron in der Schweiz gefunden wurde. Das hintere abgewinkelte Griffende war vermutlich in einen Träger eingeschlagen oder eingesteckt worden, was es ermöglichte, eine Hand für das zu schneidende Werkstück frei zu lassen und die andere Hand zur Bedienung der Schere zu verwenden.
Bei der römischen Blechschere aus der spätaugusteischen Siedlung Lahnau-Waldgirmes ist die Form sehr ähnlich, aber der Griff deutlich kürzer.
Gußform für Zaine
Auf dem Bild oben wird dargestellt, wie das Silber in lange, dünne Streifen (sogenannte Zaine) gehämmert wird. Vermutlich wurden diese Streifen zunächst aus geschmolzenem Silber gegossen bevor sie zu Zainen platt gehämmert wurden.
Unterhalb des Schmelzofens ist eine Artefakt sichtbar, das mit einem Metallfunde aus Schleswig vergleichbar ist und vieleicht eine Gußform für die Herstellung von Zainen sein könnte.
Quellen
- Becker, Armin und Rasbach, Gabriele (2015). Waldgirmes. Die Ausgrabungen in der spätaugusteischen Siedlung von Lahnau-Waldgirmes (1993 –2009). Verlag Phillip von Zabern. Darmstadt
- Rosch, Christoph (2012). Altbüron: die Metallfunde der 1309 zerstörten Burg. In Archäologische Schriften Luzern Band 14. Luzern.
- Saggau, Hilke Elisabeth (2000). Mittelalterliche Eisenfunde aus Schleswig. Ausgrabung Schild 1971 - 1975, Neumünster, Wachholtz Verlag
- Eilbracht, Heidemarie (2004). Feinschmiede und Münzmeister – Ein Forschungsprojekt zum wikingerzeitlichen Metallhandwerk in Nordeuropa. In: Soester Beiträge zur Archäologie 5. Schmiedehandwerk in Mittelalter und Neuzeit. Stadtarchäologie Soest. Soest.





