Im Mittelalter war der Zugang zu Ressourcen wie Holz nicht nur eine Frage der Versorgung, sondern auch der Macht. Wälder waren lebenswichtige Quellen für Bau- und Brennmaterial, Gewerbe und Handel – doch ihr Besitz und ihre Nutzung unterlagen strengen Regeln. Ein Beispiel hierfür ist eine Urkunde von 1310, in der Graf Rudolf von Tübingen, genannt „der Schärrer“, für 740 Pfund Heller der Stadt Reutlingen weitreichende Rechte am Schönbuch einräumte.
Diese Urkunde gewährt uns einen Einblick in die Rechts- und Sozialordnung des Hochmittelalters. Wie wurde der Wald genutzt? Welche Pflichten hatten die Bürger? Und wie sicherte die Stadt ihre Ansprüche für die Zukunft? Die Urkunde regelt nicht nur die Holzentnahme, sondern auch die Unterhaltung von Brücken, die Rechtsprechung bei Verstößen und sogar die Verpflichtungen des Grafen.
Besonders bemerkenswert ist die langfristige Perspektive des Vertrags. Die Rechte wurden „auf ewig“ verliehen
… der vorgenante Grave Rüdolf gelobet fur uns und fur unser erben und fur alle unser nahkomen …
Gleichzeitig zeigt die Urkunde, wie Städte im Hochmittelalter ihre Autonomie stärkten: Durch klare Vereinbarungen sicherten sie sich gegen willkürliche Eingriffe des Adels ab.
Auf folgender Karte sind die wichtigsten Punkte die in der Urkunde genannt werden. Grün umrahnt ist der Schönbuch mit Kloster Bebenhausen (rot) in der mitte und den beiden Flüßen Schaich (oben) und Neckar (unten). Unten rechts im Bild ist die Stadt Reutlingen und in der Mitte unter dem Schönbuch Tübingen.
Die folgende Zusammenfassung fasst die wichtigsten Punkte dieser Urkunde zusammen.
Zusammenfassung
Holznutzungsrechte und Gebühren
Die Bürger Reutlingens erhalten das Recht, Holz für verschiedene Zwecke zu schlagen, müssen dafür jedoch Gebühren entrichten.
| Nutzungsrecht | Gebühr |
|---|---|
| Holz für ein Haus (groß, oder klein) schlagen | 10 Schilling Heller |
| Einzelner Eichenbaum | 6 Heller |
| Einzelner Buchenbaum | 4 Heller |
| Brennholz holen mit einem Karren | 3 Schilling Heller po Jahr |
| Brennholz holen mit einem Wagen | 6 Schilling Heller pro Jahr |
| Schmied Holz für Kohleherstellung | 1 Pfund Heller pro Axt und Jahr |
| Wagner pro Axt | 4 Heller pro Tag |
| Holz auf dem Rücken eines Pferd/Esel tragen | 9 Heller pro Jahr |
| Ein Karren voll Holz für Pfähle | 4 Heller |
| Ein Wagen voll Holz für Pfähle | 8 Heller |
| Ein Wagen voll Holz zur Herstellung von Reifen | 6 Heller und 1 Schilling pro Fahrt |
| Ein Karren voller Eichenrinde | 3 Heller pro Fahrt |
Verboten sind Handlungen wie:
- das Fällen von Eichen, Buchen und fruchttragenden Bäumen (z. B. Birnen- und Apfelbäume) für Feuerholz.
- das hinterlassen von gefährliche Baumstümpfen.
- Holz oder Kohle aus dem Reutlinger Zehnten verkaufen oder wegführen.
- neue Rodungen für Äcker oder Wiesen anzulegen.
Brückenunterhaltung am Neckar
Die Stadt Reutlingen ist verpflichtet, Brücken über den Neckar zu bauen und zu unterhalten. Für Reparaturen darf die Stadt Holz aus dem Schönbuch kostenlos schlagen.
Bei Neubau oder Totalschaden einer Brücke:
- Die Stadt zahlt 10 Schilling Heller für zusätzliches Holz.
- Einzelne Bäume werden nach den festgelegten Gebühren bezahlt.
Reutlinger Bürger, Diener des Grafen, Eigenleute und Wagen des Klosters Bebenhausen sind von Brückenzöllen befreit.
Rechtsprechung und Strafen
Vergehen im Wald (z. B. unerlaubtes Holzschlagen) werden vom Schultheiß der Stadt Reutlingen gerichtet. Ein Bürger Reutlingens kann durch Eid die Schuld oder Unschuld eines Beschuldigten bestätigen.
Strafen:
- Bei unrechtmäßigem Holzeinschlag muss der Täter die festgelegte Gebühr zahlen.
- Bei Verweigerung der Strafe: Der Schultheiß entscheidet am selben Tag.
Förster:
- Die Förster des Grafen überwachen die Holznutzung.
- Sie dürfen zwei Bürger Reutlingens als Stellvertreter für die Gebührenabrechnung einsetzen.
- Förster genießen freies Geleit bei Reisen nach Reutlingen (außer bei tödlicher Feindschaft).
Langfristige Vereinbarungen
Die Rechte gelten ewig für alle Reutlinger Bürger, unabhängig von Stand, Religion oder Geschlecht. Ausgenommen ist das Gebiet jenseits des Baches „Schaich“ bis zur „Heiligen Quelle“ (hier gelten andere Besitzverhältnisse).
Falls der Graf oder seine Erben den Schönbuch verkaufen, muss der Käufer die Rechte Reutlingens bestätigen. Die Stadt darf den Verkauf nicht behindern.
Originaltext
In Gottes namen amen. Wir grave Rüdolf von Tuwingen den man den Shaerrer nemmet tün kunt allen die disen brief nu ald iemer gesehent oder hörent lesen. Daz wir mit gewonlichen worten unde gebaerden haben den burgern und der gemainde von Rütelingen die nu sint alder iemer werdent gegeben daz reht und die gewar in unserem walt den man nemmet den Schainbüch alse hie nach geschriben ist und haben darumbe von ın enphangen siben hundert und vierzig phunde haller munze.
Dez ersten swer ze ainem huse howen wil es sie grotz oder claine der sol unz oder unsern phlegern geben zehen schillinge haller und sol howen swez er dartzü bedarf. Swer aber ainlizziger hölzer bedarf der sol geben ie umb ainen aichinen bom er sie groz oder claine sehs haller und umb ainen büchinen bom vier haller. Iste aber daz in ain gantener hower der winvasser machen wil der sol geben ainen schilling. Ez sol öch ain wagener geben iegeliches tages von der axe vier haller swez er ze sinen antwerke bedarf. Swer öch mit ainem karchen vert in den walt nah brenneholz ain iar der sol geben drie schillinge haller. Vert aber mit ainem wagen so sol er geben sehs schillinge haller und suln howen rehten hov daz ist ane aiching und büching und ane bernde bome daz sint birböme und affolterböme. Swer aber uber ruggen us dem walde holz füret mit rossen alder mit eseln der sol geben des iares nun haller.
Der öch rehtes howes phaele oder gerten howet der git ieglicher verte von dem karchen vier haller und von dem wagen aht haller. Der aber howet rehtes howes raiffe si sien besnitten alder unbesnitten ainen karchen vol der git sehs haller und von dem wagen ainen schilling ze ieglicher verte. Wellen öch die smide von der stat selbe kol machen in dem walde so suln si geben ie von der axe dez iares ain phunt haller und suln öch rehten hov tün. Wil aber ain usman kol machen und wil daz füren in die stat der sol mit unsern vorstern dingen als er mag und suln si ime dez nit verzihen. Und swer daz kol füret in die stat der ist den vorstern darumbe nutes schuldig. Waere öch daz ieman kainen aichinen bom alder büchinen koufen wölte daz er brenneholz davon nemen wölte swa in dez die vorster schuldegeten dez sol er in iehen alder logenen mit dem aide und ist doh daz uberholz aller maengelich gemaine. Ez sol öch nieman kainen bom bestumbeln noch gevarlich kainen stumpen machen daz er den vorstern derainunge id schuldig werde ob si in darumb ansprechen. Ez soll öch nieman kain holz noch kol us dem zehenden ze Rutelingen füren noh verkoufen mit gevaerden.
Ez ist öch gedinget umbe die wege jenehalp Nekkers und in dem walde umbe die bruggen ob si ir bedurfen daz si darzü suln howen swes si bedurfen und suln darumbe nuznit geben. Wellen aber si aine brugge machen uber den Nekker darzü suln sie howen öch swez si bedurfen ze der ersten brugge und suln darumb öch nit geben. Warr aber daz du brugge zerbraeche ganzlich alder enweg gienge so suln si zehen schillinge haller geben umb ander holz ze der brugge als umb ain hus und suln geben um das halptail alder umb daz viertail als ez sich denne geburt an der brugge. Bedurften si aber ainlizziger bome ze der brugge die suln si gelten alse vorgeschriben stat.
War och daz die vorster ieman schuldigeten unrehtes howes damitte die ainunge verschult waere alse dez waldes reht von alter stat und ain ieglicher schuldig ist der unrehten hov tüt mugen si den ubersagen mit ainem der von Rutelingen ist der in des hilfet mit dem aide. So sol er schuldig sin mugen si dez erzugen also so sol in iener iehen alder lögene mit sinem aide und sol in der schulthaize rihten dez selben tages ane geverde. Tüt er dez nit so ist iener in aber schuldig es sage denne der Schulthaize uf sinen ait daz er unschuldig sie und sol do ienen rihten alse vorgeschriben stat. Wölten aber die burger von Rutelingen ainen zol nemen an der brugge da sol kain unser diener noh kain unser aigen man zol geben noh des Closters von Bebenhausen aigen karchen ald waegen. Swer öch brenneholz füren wil der sol es von Stokke hainfüren und sol ez under wegen nit huffen. Ez sol öch nieman umbe kaine wit noh umbe kainen spanraitel schuldig kains ainunge sin der er da bedarff ane alle geverde. Wer aber ainen karchen vol aichiner rinden us dem walt füren wil von ligendem holze der git drie haller von der verte.
Wir geben öch den vorgenanten burgern kaine gewar in daz holz daz ander haldun stat under Haselach dirrehalp dem bache den man nemmet die Schaiach bis an den Hailigen Brunnen. Dise gewar und disu reht haben wir der vorgenante grave Rüdolf fur uns und fur alle unser erben und nahkomen gegeben und geluhen den vorgeschribenen burgern von Rutelingen und hant si daz von uns enphangen ze ainem ewigen lehen inselben und allen die hus und hof da hant und die da gesessen sint si sien gaistlich oder weltlich vrowen oder man cristen oder juden in dem walde alle sament wan alaine daz lit ienent des wassers daz man haizet die E also daz ez nieman sol schaden sin an kainem sinen rehte der vor gewart und reht in den selben walt het er sie gaistlich oder weltlich, edel oder unedel. Darzü haben wir den burgern gelobet daz wir nit suln gestatten daz kain nu gerute von akkern noh von wisen furbaz gemacht werden in dem walde. Ez ist öch under uns gedinget ob wir aine samelich gewar wolten verkoufen gen Ezzelingern oder gen andern luten daz uns daran die selben burger von Rutelingen suln furdern und nit irren wan si nit me rehtes haben suln in dem walde wan als in verschriben ist.
Und won der vorgenante walt der Schainbüch unser lehen ist von dem römischen riche so geloben wir der vorgenante grave Rüdolf fur uns und alle unser erben und alle unser nahkomen du selben lehen mit ganzen truwen ze tragenne den vorgeschribenen burgern von Rutelingen und ze vertegenne von dem riche und swa si sin notdurftig sint mit unser selbes libe mit unsern botten und mit unsern brieven ane golt und ane silber und haben in dez zu den Hailigen gesworen. Si suln aber uns ob wir selbe wurden varende verkosten und verzern mit zehn phaeriden und unser botten mit verkosten umb die sache. Viel aber uns ander schade an uf der straze ane slehte zerunge und koste darumbe sint si uns nutes gebunden. Wir haben öch du reht allu geluhen fur uns und unsere erben dem rate ze Rutelingen der hut ist und iemer wirt daz si du gemainde tragen. Und hat uns der selbe rat gelobt fur sich und fur alle ir nahkomen truwe und warhait ze laistene eweclich ane alle gevaerde als ir rehtem lehen herren. Es ist öch geredet under uns daz nieman kainer laie holz howen sol er habe die vorster vorgewert der haller und daruber suln die vorster nemen zwene man ze Rutelingen ın der stat die die haller enphahen an ir stat. Swer daruber howet der ist der ainunge schuldig und daz selbe güt sol uns nieman verbieten umbe kain unser schulde. Die selben unser vorster suln öch ze Rutelingen us und in riten in der burger gelaite ane alle geverde ane die tödemig vientschaft hant. Diu iarlich miete umbe daz gelt dez waldes sol us gan alle wege ze Sant Gallen tage iemme.
Geschaeh ez aber daz Got verbiete daz wir ader unseru kint ald unser erben alder kain unser nahkomen den walt verkoufen müsten oder wolten gen swem wir denne den kouf tün wölten dem suln wir künt tun und sagen allu du reht du wir Rutelingen gegeben haben in den walt und öch an den brieven stant die wir gegen ain ander gegeben und genomen haben und suln in du reht verdingen also daz iener der den walt koufet sol den burgern von Rutelingen geben sinen brief und sine hantvesten aller der rehte und der gedinge du an disem brieve stant den si von uns hant und swene daz geschiht so sien wir und unser erben von Rutelingen ledig und sien in umbe den walt furbas nutes me gebunden.
Alle die rede und du gedinge du in disem koufe geschehen sint und an disem brieve geschriben stant die haben wir der vorgenante Grave Rüdolf gelobet fur uns und fur unser erben und fur alle unser nahkomen staete ze habenne ze rihtenne und ze vertegenne alse vor beschaiden ist uf den ait den wir gesworen haben ane alle geverde. Und haben daruber disen brief gegeben besigelt bestaetet und gevestent mit unserm aigenem insigel mit unser lieben swager graven Hainriches von Schelkelingen insigel mit des gaistlichen herren des abtes von Bebenhusen insigel und mit dem insigel der gemainde der burger von Ezzelingen ze ainer zugnust alliz des hie vorgeschrieben stat. Diz geschah und wart dirre brief gegeben ze Rutelingen do man zalte von Gottes geburte druzehen hundert und darnah in dem zehenden iar an Unser Vrowen Sant Marien Abent der Aernde.
Übersetzung
Im Namen Gottes, Amen. Wir, Graf Rudolf von Tübingen, den man den „Schärrer“ nennt, tun kund allen, die diesen Brief jetzt oder in Zukunft sehen oder hören: Dass wir mit üblichen Worten und Gesten den Bürgern und der Gemeinde von Reutlingen, die jetzt sind oder künftig sein werden, das Recht und die Gewähr in unserem Wald, den man „Schönbuch“ nennt, gegeben haben, wie hiernach geschrieben steht. Dafür haben wir von ihnen 740 Pfund Heller empfangen.
Zuerst: Wer ein Haus bauen will, ob groß oder klein, der soll uns oder unseren Verwaltern zehn Schilling Heller geben und darf schlagen, was er dazu benötigt. Wer jedoch einzelne Hölzer benötigt, der soll für jede Eiche, ob groß oder klein, sechs Heller und für jede Buche vier Heller geben. Will aber jemand in einem ersteigerten Waldstück Weinreben anpflanzen, der soll einen Schilling geben. Auch soll ein Wagner täglich für jede Axt vier Heller geben, was er für sein Handwerk benötigt. Wer mit einem Karren ein Jahr lang Brennholz aus dem Wald fährt, der soll drei Schilling Heller geben. Fährt er aber mit einem Wagen, so soll er sechs Schilling geben. Sie sollen rechtes Holz schlagen, das heißt ohne Eichen und Buchen und ohne fruchttragende Bäume, das sind Birnbäume und Apfelbäume. Wer jedoch Holz über den Rücken aus dem Wald trägt, mit Pferden oder Eseln, der soll jährlich neun Heller geben (Vl. ist hier ein Pferd/Esel der auf dem Rücken beladen ist gemeint),
Wer rechtes Holz für Pfähle oder Ruten schlägt, der gibt für jeden Karren vier Heller und für jeden Wagen acht Heller pro Fahrt. Wer rechtes Holz für Reifen schlägt, ob beschnitten oder unbeschnitten, einen Karren voll, der gibt sechs Heller, und für den Wagen einen Schilling pro Fahrt. Wollen die Schmiede der Stadt selbst Kohle im Wald machen, so sollen sie pro Axt jährlich ein Pfund Heller geben und ebenfalls rechtes Holz schlagen. Will aber ein Auswärtiger Kohle machen und in die Stadt bringen, so soll er mit unseren Förstern verhandeln, wie er kann, und sie sollen ihm dies nicht verweigern. Wer die Kohle in die Stadt bringt, ist den Förstern dafür nutes (?) schuldig. Will jemand keine Eiche oder Buche kaufen, das er Brennholz daraus macht, wo die Förster dies erlauben, so soll er es ihnen abkaufen oder leihen mit dem Eid. Das übrige Holz bleibt jedoch gemeinsames Eigentum aller. Niemand soll einen Baumstumpf gefährlich zurücklassen oder einen Stumpf machen, der den Förstern Schaden zufügt, falls sie ihn dafür belangen. Niemand soll Holz oder Kohle aus dem Zehnten von Reutlingen wegführen oder verkaufen.
Es ist auch vereinbart über die Wege jenseits des Neckars und im Wald über die Brücken, falls sie repariert werden müssen, dass sie dazu Holz schlagen dürfen, was sie benötigen, und dafür keinen Nutzen geben müssen. Wollen sie jedoch eine Brücke über den Neckar bauen, so dürfen sie ebenfalls schlagen, was sie für die erste Brücke benötigen, und müssen dafür nichts geben. Bricht aber die Brücke ganz zusammen oder wird sie unpassierbar, so sollen sie zehn Schilling Heller für anderes Holz zur Brücke geben, wie für ein Haus, und sollen für das halbe oder vierte Teil geben, wie es sich an der Brücke ergibt. Benötigen sie einzelne Bäume für die Brücke, so sollen sie diese wie vorgeschrieben bewerten.
Wenn die Förster jemandem des unrechtmäßigen Holzeinschlags beschuldig, wodurch die Nutzung des Waldes beeinträchtigt würde, wie es das Waldrecht von alters her vorsieht, und jeder, der unrecht schlägt, schuldig ist, so können sie ihn mit einem Bürger von Reutlingen, der ihm mit dem Eid hilft, überführen. Wenn er schuldig ist mögen sie das bezeugen also so soll ihn einer (iehen) oder Verleumden mit seinem Eid und der Schultheiß soll ihn am selben Tag ohne Vorbehalt richten. Tut er dies nicht, so ist er schuldig, es sei denn, der Schultheiß sagt auf seinen Eid, dass er unschuldig sei, und soll ihn dann richten, wie vorgeschrieben. Wollen die Bürger von Reutlingen einen Zoll an der Brücke erheben, so soll keiner unserer Diener oder Eigenleute Zoll zahlen müssen, auch nicht die Karren oder Wagen des Klosters von Bebenhausen. Wer Brennholz führen will, soll es von Stokke (?) nach Hause bringen und nicht unterwegs aufstapeln. Es soll auch niemand wegen dem Erwerb von Gehölz noch wegen dem Erwerb von Spanraitel verpflichtet sein etwas zu zahlen wenn er Bedarf daran hat Wer jedoch einen Karren voll Eichenrinde aus dem Wald führen will, von liegendem Holz, der gibt drei Heller pro Fahrt.
Wir geben den genannten Bürgern auch keine Gewähr für das Holz, das andere besitzen unter Haselach jenseits des Baches, den man „Schaich“ nennt, bis zur Heiligen Quelle. Diese Gewähr und diese Rechte haben wir, der genannte Graf Rudolf, für uns und alle unsere Erben und Nachkommen den genannten Bürgern von Reutlingen gegeben und ihnen dies von uns als ewiges Lehen überlassen, ihnen und allen, die dort Häuser und Höfe haben und dort sitzen, ob sie geistlich oder weltlich, Frauen oder Männer, Christen oder Juden sind, im Wald gemeinsam, außer demjenigen, der das Wasser besitzt, das man „E“ nennt, sodass niemandem ein Schaden an seinem Recht entstehen soll, der zuvor Gewähr und Recht in diesem Wald hatte, ob er geistlich oder weltlich, edel oder unedel ist. Dazu haben wir den Bürgern versprochen, dass wir nicht gestatten werden, dass neue Rodungen von Äckern oder Wiesen im Wald vorgenommen werden. Es ist auch zwischen uns vereinbart, dass wir, wenn wir eine gemeinsame Gewähr verkaufen wollten, an Esslingen oder andere Leute, die Bürger von Reutlingen dabei unterstützen und nicht behindern sollen, da sie keine weiteren Rechte im Wald haben sollen, als hier geschrieben steht.
Da der genannte Wald „Schönbuch“ unser Lehen vom Römischen Reich ist, versprechen wir, der genannte Graf Rudolf, für uns und alle unsere Erben und Nachkommen, dieses Lehen mit ganzer Treue zu tragen für die genannten Bürger von Reutlingen und es gegen das Reich und wo sie es benötigen, mit unserem eigenen Leben, unseren Boten und unseren Briefen, ohne Gold und ohne Silber zu verteidigen, und haben dies den Heiligen geschworen. Sie sollen uns jedoch, wenn wir selbst reisen, mit zehn Pferden verköstigen und unsere Boten verpflegen. Entsteht uns anderer Schaden auf der Straße, außer gewöhnlicher Abnutzung und Kosten, so sind sie uns nützlich verpflichtet. Wir haben auch alle diese Rechte für uns und unsere Erben dem Rat von Reutlingen und der Gemeinde, der jetzt ist und immer sein wird, geliehen. Und der Rat hat uns versprochen, für sich und alle seine Nachkommen, ewige Treue und Wahrheit zu leisten, ohne alle Gefahr, wie es rechten Lehenherren zusteht. Es ist auch zwischen uns geredet, dass niemand Holz schlagen soll, ohne dass die Förster es vorher gewährt haben, und darüber hinaus sollen die Förster zwei Männer aus Reutlingen in der Stadt nehmen, die die Heller empfangen an ihrer Statt. Wer darüber hinaus schlägt, ist der Ahndung schuldig, und dieses Gut soll uns niemand wegen unserer Schulden verbieten. Unsere Förster sollen auch nach Reutlingen ein- und ausreiten in Begleitung der Bürger, ohne alle Gefahr, außer bei tödlicher Feindschaft. Die jährliche Miete für das Geld des Waldes soll immer am Gallustag (16.ter Oktober) ausgezahlt werden.
Geschehe es aber, dass wir oder unsere Kinder oder Erben oder Nachkommen den Wald verkaufen müssten oder wollten, wem wir den Verkauf auch tun wollten, dem sollen wir alle diese Rechte, die wir Reutlingen im Wald gegeben haben, kundtun und sagen, und auch die Briefe zeigen, die wir einander gegeben und genommen haben, und sollen ihnen diese Rechte verdingen, sodass derjenige, der den Wald kauft, den Bürgern von Reutlingen seinen Brief und seine Handfeste aller Rechte und Vereinbarungen geben soll, die in diesem Brief stehen, die sie von uns haben. Und wenn dies geschieht, sind wir und unsere Erben von Reutlingen getrennt, und sie sind uns für den Wald nicht weiter verpflichtet. Alle diese Reden und Vereinbarungen, die in diesem Kauf geschehen sind und in diesem Brief geschrieben stehen, haben wir, der genannte Graf Rudolf, für uns und unsere Erben und alle unsere Nachkommen versprochen, fest zu halten, zu richten und zu verteidigen, wie zuvor bestimmt, auf den Eid, den wir geschworen haben, ohne alle Gefahr. Und haben darüber diesen Brief gegeben, besiegelt, bestätigt und befestigt mit unserem eigenen Siegel, mit dem Siegel unseres geliebten Schwagers, Grafen Heinrichs von Schelklingen, mit dem Siegel des geistlichen Herrn, des Abtes von Bebenhausen, und mit dem Siegel der Gemeinde der Bürger von Esslingen, als Zeugnis für alles, was hier vorgeschrieben steht.
Quelle
- Kreutz, Bernhard (2019). Reutlinger Urkundenbuch - Teil 1 - Die Urkunden bis 1399. Nummer 88. Stadtarchiv Reutlingen.
