In der Bergbauwüstung Altenberg, im Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen, finden sich neben Textil- und Metallfragmenten auch mehrere fast vollständig erhaltene Schuhe und weitere Lederfunde. Die Lederfunde sind bis auf einen Lederrest auf das Jahr 1235 +- 6 Jahre datiert 1.

Das besondere an einigen Schuhen sind die erhaltenen Doppelsohlen die den Vorderfuß und den Absatz bedecken. Im Gegensatz zu Sohlenflicken, wie man sie in Schleswig, Konstanz oder Lübeck findet, handelt es sich bei den Altenberger Doppelsohlen nicht um Flicken, sondern um schon bei der Herstellung angebrachte Verstärkungen 2. Vermutet wird das diese Doppelsohle als Schutz des Bergarbeiter vor spitzen Steinen und Geröll und ggf. auch als Abrutschsicherung auf Leitern diente. Im Gegensatz dazu dienen Innensohlen, bspw. aus Schleswig 3 und Konstanz 4 ab 1200, eher dem vorbeugen des Verschleiß. Die eigentliche Konstruktion ist weiterhin ein wendegenähter Schuh und daher nicht mit den rahmengenähten Schuhen späterer Zeit zu verwechseln. Erst im 15.ten Jahrundert wird die außen angenähte Doppelsohle, im Zuge der Transformation zu rahmengenähten Schuhen, häufiger 5.

Dieses Paar ist an den Typ RT2 aus Altenberg angelehnt 6. An sich ein einfacher Schuh aus vegetabil gegerbten Rindsleder mit umlaufenden Schnürrverschluss.

Fertiges Paar nach Typ RT2 aus Altenberg aus vegetabil gegerbten Rindsleder. Geschlossen mittels 4 Schnürriemen

Das besondere ist die schon zuvor beschriebene Doppelsohle. Der Bereich zwischen Vorderfuß und Ferse war bei den Funden aus Altenberg nicht verstärkt. Aus persöhnlicher Erfahrung sorgt eine Verstärkung in diesem Bereich dafür das der gesamte Schuh zu steif wird und sich der Fuß schlecht abrollen lässt.

Detailansicht der Doppelsohlen im Bereich des Vorderfußes und der Ferse.

Die Doppelsohle wird direkt, mittels Tunnelstich, auf die eigentliche Sohle und den Keder (der Randstreifen) auf-/angenäht. Um das Nähen zu erleichtern werden immer 2-3 Stiche vorgenäht und anschließend zusammen festgezogen. So liegt die gesamte Naht vor dem Boden geschützt zwischen Sohle und Doppelsohle.

Bei einem Nutzer im Mittelalterforum habe ich mir das Zusammenstellen als Collage abgeschaut. Ich finde so machen die Bilder noch einiges mehr her.

Collage der Schuhe mit Detailansicht der Sohle und der aufgenähten Doppelsohle


  1. [Dahm.1998] S.139 ↩︎

  2. An den erhaltenen Sohlen zeigen sich keine Abnutzungsspuren. Daher müssen die Verstärkungen schon beim Herstellungsprozess angebracht worden sein. ↩︎

  3. [Schnack.1992] ↩︎

  4. [Schnack.1994] ↩︎

  5. [Goubitz.2001] S.79 ↩︎

  6. [Dahm.1998] S.138 Abb.48 ↩︎

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